Soziale Netzwerke überflügeln Zeitungen und Fernsehen als Informationsquellen.

Ich bin ein begeisterter Zeitungsleser. Seit 2016 aber haben soziale Netzwerke wie Facebook, YouTube, Twitter oder auch XING, LinkedIn, WhatsApp und Instagram als regelmäßig genutzte Informations- und Nachrichtenquellen der deutschen Internetnutzer erstmalig Zeitungen überholt.

Was heißt das genau?

Soziale Netzwerke haben 6 Prozentpunkte auf 31 Prozent zugelegt, während die Zeitungen 9 Punkte verloren haben. So werden sie inzwischen von nur noch 29 Prozent der etwa 50 Millionen erwachsenen Onliner in Deutschland als Nachrichtenquelle genutzt. Über 70 % der Erwachsenen nutzen noch immer das Fernsehen als regelmäßige Nachrichtenquelle. Der Wert bei den 18- und 24jährigen sinkt jedoch. Als Haupt-Nachrichtenquelle hat sich das Fernsehen bei den Älteren behauptet. Bei den 18- bis 24jährigen hat es innerhalb eines Jahres etwa 10 Prozent an das Netz verloren. Verluste gab es auch beim Radio, auch in der „mittleren“ Altersgruppe.

Welchen Stellenwert haben Nachrichten heutzutage?

Das Interesse an Nachrichten scheint in der Gesamtbevölkerung ohnehin zu sinken. Sind in der Gruppe 55+ noch 81 Prozent der Menschen sehr stark an Nachrichten interessiert, beträgt der Wert in der Altersgruppe zwischen 18 und 24 Jahren nur noch 54 Prozent. Im Vorjahr waren es 67 Prozent. Lokale, internationale und politische Nachrichten interessieren dabei in allen betrachteten Altersgruppen am ehesten. Allerdings bringen junge Menschen insgesamt entschieden weniger Aufmerksamkeit für Nachrichten auf. Überproportional zum Rest der Bevölkerung interessieren sie sich für Lifestyle, Unterhaltung, Prominente. Vergleichsweise stark auch für Wissenschaft und Technologien.

Das Interesse an sozialen Netzwerke nimmt weiter zu.

Soziale Netzwerke als wichtiger werdende Nachrichtenquelle sind auch vor dem Hintergrund der Bildung der User zu betrachten. In fast allen Ländern sind die Menschen mit hoher formaler Bildung in den sozialen Medien überrepräsentiert. In der Verbreitung von Nachrichten haben soziale Netzwerke also mittlerweile einen wichtigen Stellenwert erlangt. Über Hashtags kann das Geschehen beinahe in Echtzeit nachverfolgt werden. Neben dem Lesen sorgen die User durch das Teilen und Kommentieren der Inhalte auch für eine Reichweitensteigerung. Die durchschnittliche Zeit, die Nutzer in den Social Media verbringen, erhöht sich ständig und nicht nur bei dem jüngeren Teil der Bevölkerung.

Der Facebook-Algorithmus: Ein  Problem?

Ein Sachverhalt ist meines Erachtens bei dieser Entwicklung kritisch zu sehen. Offenbar scheinen sich immer mehr Menschen mit Nachrichten zufriedenzugeben, die ihnen soziale Netzwerke wie z.B. der Facebook-Algorithmus vorsetzen, also Nachrichten, die ihrer eigenen Meinung entsprechen. Diese Entwicklung hin zu einer Art journalistischen „Fast-Foods“ ist sicher gut für Facebook. Sie ist aber eher fragwürdig für die persönliche hinterfragende Meinungsbildung.

Quellennachweis:

https://netzoekonom.de/

https://www.haufe.de/