Pulse of Europe: Der Glauben an die Grundidee der EU, ihre Reformierbarkeit und Weiterentwicklung.

Was sucht ein „politischer“ Beitrag auf dem Blog einer Texterin? Nun, ich bin Historikerin und ich interessiere mich generell für politische Themen. Im Großen und Ganzen sehen viele Bürger Europas die EU eher skeptisch. Einen Gegenpart dazu bildet die 2016 gegründete pro-europäische Bewegung „Pulse of Europe“. Sie richtet den Fokus angesichts des vermehrten Auftretens rechtspopulistischer und nationalistischer Parteien darauf, den europäischen Gedanken wieder sicht- und hörbar zu machen.

Pulse of Europe: Der proeuropäische Gedanke im Fokus.

Tatsächlich ist die Überzeugung, Europa und vor allem die EU positiv zu sehen, eine neue Sichtweise gegenüber der vielfach formulierten Europa-Skepsis. Die Pulse of Europe-Bewegung versteht sich als überparteilich und unabhängig. Dabei sieht sie die derzeitige Politik der Gemeinschaft durchaus kritisch und fordert auch Veränderungen ein.

Insbesondere für die Sicherung der europäischen Grundfreiheiten, muss es immer ein Anliegen für jeden von uns sein, für diese einzutreten. Das gilt im Besonderen auch für die Pressefreiheit. Dabei soll die Wahrung der europäischen Identität den Erhalt der regionalen und nationalen Vielfalt natürlich einschließen. Besonders, weil diese durchaus als Bereicherung zu bewerten ist. So sind ja auch regionale Unterschiede in Deutschland selbst etwas Positives. Sie machen das Land und seine Menschen, seine Traditionen und Bräuche vielfältig und interessant.

Es gibt eine große Skepsis gegenüber der EU.

Viele Europäer hegen durchaus berechtigt Bedenken, Ängste oder Wut gegen die europäischen Institutionen. Sie beanstanden das Ausmaß der Bürokratie, die Verschwendung der zu verwaltenden Gelder und verteilter Subventionen. Zudem beklagen viele Menschen die Überbezahlung in einer aufgeblähten Bürokratie. Sie kritisieren Korruption und Vetternwirtschaft. Darüber hinaus meinen viele EU-Skeptiker, dass viele politische Entscheidungen sinnvoller auf nationaler Ebene getroffen werden können. Sie empfinden die EU mehr und mehr als bürokratisches Monster. Die EU mischt sich in zu viele nationale Belange ein, statt sich um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern. Ein Beispiel dafür ist, dass Brüssel eher eine Gurkenkrümmungsverordnung erlässt, als eine tragfähige und dauerhafte Lösung für die Flüchtlingskrise zu finden.

Die EU und die Flüchtlingsfrage.

Besonders kritisch sehen viele Europäer die Flüchtlingspolitik: Der „EU-Türkei-Deal“ gilt als typisch Brüsseler Kompromiss. Obendrein als ein „fauler“ Kompromiss. Der Deal ist für viele Europäer letztlich unfertig, voller Fehler, unbefriedigend und verbesserungswürdig. Leider hat sich ja auch bewahrheitet, dass sich die EU in der Flüchtlingskrise als total zerstritten und mehr oder weniger handlungsunfähig gezeigt hat. Die Mitgliedsstaaten können sich weder auf eine europaweite Verteilung der Flüchtlinge einigen, noch auf eine gemeinsame Abschottungspolitik.

Vieles funktioniert in der EU nicht.

Infolgedessen scheint das Krisenmanagement der EU denkbar schlecht zu funktionieren. Auch die Wirtschaftspolitik wird von vielen Menschen skeptisch beäugt. Allerdings wünschen nur sehr wenige Bürger der EU den Zerfall der Union. Sie fordern eine transparentere und bürgernähere Gemeinschaft. Auf diese Weise kann auch ihr Wahlspruch Realität werden: In Vielfalt geeint. Viele Menschen verstehen die EU auch durchaus als Friedensprojekt und als Wertegemeinschaft. Allerdings lehnen sie eine Erweiterung ab. Vor allem ist die Mehrzahl der EU-Bürger gegen einen Beitritt der Türkei.

Was will Pulse of Europe?

All diese Bedenken sind Pulse of Europe natürlich bekannt. Aber die Bewegung will verhindern, dass Populisten diese europaskeptischen Stimmen für ihre Zwecke vereinnahmen. Denn durch ein Schweigen der stillen proeuropäischen Mehrheit besteht die Gefahr, dass sie von ihnen übertönt werden.

Vergessen wir nicht: Kriege waren in Europa jahrhundertelang die Regel, nicht die Ausnahme. Wenn es Probleme gab, wurde gedroht, einmarschiert. Wir in Deutschland haben jetzt seit über 70 Jahren keinen Krieg erlebt. Das gab es noch nie.

Jeder Arbeitnehmer kann und darf in jedem anderen EU-Land arbeiten. Des weiteren kann jedes Unternehmen mit Sitz in einem EU-Land seine Dienstleistungen auch in den anderen Mitgliedstaaten anbieten.

Europa ist ein kleiner Kontinent. Einzelne europäische Nationalstaaten haben in einer Welt ohne EU in der internationalen „Hackordnung“ der politischen Mächte nur die Rolle eines Zwerges unter Riesen. Ein vereintes gemeinsames Auftreten mit dem geballten EU-Gewicht verschafft politische Schlagkraft und Durchsetzungsfähigkeit.

Auch der vieldiskutierte Euro brachte positive wirtschaftliche Wirkungen. Er führte zu sinkenden Handelskosten und geringeren Zinsen. Dadurch wuchs die europäische Wirtschaft insgesamt stärker. Das Reisen wurde einfacher. Grenzen sind sehr viel leichter zu überqueren.

Ich teile die Idee von Pulse of Europe. Nichtsdestoweniger müssen die Missstände in der EU dringend angegangen werden. Aber schlussendlich ist es wichtig, den pro-europäischen Gedanken in der Öffentlichkeit positiv zu besetzen und kund zu tun. In unserer Welt ist ein vereintes, demokratisches Europa, in dem die Achtung der Menschwürde, die Rechtsstaatlichkeit, freiheitliches Denken und Handeln, Toleranz und Respekt selbstverständlich sind, wichtig für alle Menschen.

Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Union
http://pulseofeurope.eu/
http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-04/eu-fluechtlinge-referendum-populisten-menschenrechte