Mark Twain: Die schreckliche deutsche Sprache und warum das so ist!

Viele meiner Freunde haben Deutsch nicht als Muttersprache erlernt. Sie sagen von sich, dass sie die deutsche Sprache zwar lieben, aber niemals beherrschen werden. Dem möchte ich hinzufügen, dass auch ich manchmal äußerst dankbar über „moderne“ Möglichkeiten bin. So zum Beispiel mit meinem MacBook ganz fix und unkompliziert auf den Duden zurückgreifen. Mark Twain, der große amerikanische Autor, hatte zur deutschen Sprache seine ganz eigene Meinung!

Mark Twains Romane gelten noch heute als Klassiker.

Der US-amerikanische Schriftsteller Mark Twain (1835–1910) ist vor allem als Autor der Bücher über die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn bekannt. Er gilt wie auch Charles Dickens als aufmerksamer und genauer Beobachter sozialen Lebens und Verhaltens. Zeitlebens bleibt er ein bissiger und scharfzüngiger Kritiker der damaligen amerikanischen Gesellschaft. Insbesondere ihrem alltäglichen Rassismus, der Heuchelei, Bigotterie und Verlogenheit.

Der Schriftsteller hat aber auch durchaus vergnügliche und sehr unterhaltsame Texte erschaffen. 1880 verarbeitete Mark Twain in seinem Buch „Bummel durch Europa“ Erlebnisse und Erfahrungen seiner zweiten Europareise von 1878. Diese führte ihn durch Deutschland, die Schweiz und Italien. In diesem Buch veröffentlichte er im Anhang auch den noch heute berühmten Aufsatz „The Awful German Language“ / “Die schreckliche deutsche Sprache“. In ihm widmet er sich hingebungs- und humorvoll den Besonderheiten, Eigentümlichkeiten und Schwierigkeiten der deutschen Sprache. Des weiteren erläutert er ausgiebig und sehr pointiert deren Fallstricke.

Ein sehr reiselustiger Schriftsteller und seine Sprach-Erfahrungen!

Mark Twain war ein begeisterter Europa-Reisender. Darüber hinaus gab er sich auch die Mühe, die Sprache seines Gastlandes Deutschland zu erlernen. Doch obwohl er meinte, gute Fortschritte zu machen, sah man seine Kenntnisse in Heidelberg als eher seltsam an. Man bezeichnete als Unikat, welches man im Museum ausstellen könne. In seinem Aufsatz führt er aus, wie verwirrend die deutsche Sprache sei. Des weiteren, dass es sicherlich keine andere Sprache gebe, die so unordentlich und systemlos daherkomme und sich jedem Zugriff entzöge. Man sei „aufs Hilfloseste in ihr hin und her geschwemmt“. Und wenn man meine, man habe endlich eine Regel zu fassen bekommen, die „im tosenden Aufruhr der zehn Wortarten festen Boden zum Verschnaufen verspricht, blättert man um und liest: Der Lernende merke sich die folgenden Ausnahmen.“ Das Vertrackteste an dieser Liste sei nun aber, dass es mehr Ausnahmen als Beispiele für diese Regel gebe.

Twain und die Unwägbarkeiten der deutschen Sprache.

Dieser Erkenntnis folgen weitere Fallstricke, denen sich Mark Twain ausgiebig widmet. Darunter fallen die drei Artikel der die das, der Gebrauch des Dativs und des Genitivs. Des weiteren die Unzahl zusammengesetzter Wörter. Mokiert wird, dass es fast keine Bindestriche gebe und man am Ende des Wortes schon den Anfang vergessen habe. Dieses Problem verschlimmert sich für ihn noch bei den langen „majestätischen“ Sätzen der Deutschen. Dies wird verstärkt durch die interessante, aber schwierige-Eigenart, das Verb an das Ende des jeweiligen Satzes rutschen zu lassen.

Dazu schreibt er: „Man beachte, wie weit das Verb von der Ausgangsbasis des Lesers entfernt liegt. Nun, in deutschen Zeitungen bringt man das Verb erst auf der nächsten Seite. Ich habe gehört, dass die Leute manchmal, nachdem sie sich ein, zwei Spalten lang in aufregenden Präliminarien und Parenthesen ergangen haben, in Eile geraten und schließlich drucken müssen. Dies, ohne überhaupt bis zum Verb vorgestoßen zu sein, was natürlich dazu führt, dass der Leser in einem Zustand größter Erschöpfung und Unkenntnis zurückgelassen wird.“

Die Abgründe einer Sprache.

Herausforderung gibt es viele für Mark Twain. Das passiert beispielsweise, wenn ein „nicht“ vor dem Verb dem ganzen Satzgebilde einen völlig entgegengesetzten Sinn gibt. Schwierig wird es zudem, wenn das Problem auftritt, dass ein Verb geteilt wird. Diese Unmöglichkeit beschreibt er so: „Die Deutschen kennen noch eine weitere Form der Parenthese, die sie herstellen, indem sie ein Verb spalten und die eine Hälfte an den Anfang eines spannenden Kapitels setzen und die andere Hälfte an den Schluss. Kann man sich etwas Verwirrenderes vorstellen? Diese Dinger heißen „trennbare Verben“. Die deutsche Grammatik ist geradezu übersät mit trennbaren Verben und je weiter die beiden Teile auseinandergerissen werden, desto zufriedener ist der Urheber des Verbrechens mit seiner Leistung.“

Die Grammatik kann einem das Leben schwer machen.

Auch mit den weiteren grammatikalischen Untiefen hat er seine Probleme. Insbesondere mit den Personalpronomen und Adjektiven, bei denen ihm vor allem die Deklination die Nerven raubt. Zudem mit dem oft unverständlichen grammatikalischen Geschlecht der Substantive. Als Beispiele nennt er das Pferd, aber der Hund und die Katze. Genau wie bei Wörtern, die etwas ganz Unterschiedliches bedeuten, sobald man den Ton auf die zweite oder letzte Silbe verschiebt. So schreibt Mark Twain, dass man mit einem Menschen umgehen oder aber ihn umgehen kann. Je nachdem, wie man das Wort betont. Zudem, dass man sich darauf verlassen dürfe, dass man die Betonung in der Regel auf die falsche Silbe legt und Ärger bekommt.

Das Schöne der deutschen Sprache.

Mark Twain findet auch viel Gutes in der deutschen Sprache. Infolgedessen beschreibt er auch ihre „Tugenden“. Das sind die Großschreibung der Substantive und die Tatsache, dass die Wörter so geschrieben werden wie sie klingen. Vor allem aber schätzt er die Tatsache, dass einige deutsche Wörter sich durch eine einzigartige Ausdruckskraft auszeichnen.

Lesetipp:

Mehr über Mark Twains Ausführungen und welche Änderungsvorschäge er hat, kann man ganz wunderbar in dem zweisprachigen kleinen Band: Mark Twain, The Awful German Language / Die schreckliche deutsche Sprache nachlesen. Und nach Beendigung der Lektüre hat man das grandiose Gefühl wie wunderbar es ist, als Muttersprachler die deutsche Sprache doch so einigermaßen zu beherrschen.

Twain, Mark, The Awful German Language – Die schreckliche deutsche Sprache, Hamburg 2011