Kriminalromane: Es begann mit Dorothy Sayers.

Ich habe schon über Süchte geschrieben. Definitiv gehört zu meinen meine Begeisterung für Kriminalromane. Dass ich Literatur liebe, darüber habe ich schon berichtet. Zur Kriminalliteratur gehören für mich unbedingt die Romane, die Dorothy Sayers geschrieben hat. In einem meiner ersten Beiträge habe ich ja schon die Gründe genannt, die für das Lesen im Allgemeinen und für das Lesen von Kriminalromanen im Besonderen sprechen. Ob letztere nun wirklich analytische Fähigkeiten stärken sei dahingestellt, für mich bedeuten sie in erster Linie Entspannung.

Wer war Dorothy Sayers?

Meine „Kriminalroman-Sucht“ begann für mich vor vielen Jahren mit einem Buch, das ich zufällig bei meiner Freundin Anke gesehen hatte. Es handelte sich um „Starkes Gift“ von Dorothy Sayers. Bis dahin hatte ich eigentlich keine Kriminalromane gelesen.

Sayers schrieb ihre berühmtesten Bücher in den späten zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Geboren 1893, war sie eine der ersten Frauen, die an der Universität ihres Geburtsortes Oxford Examen machte. Sie wurde zunächst Lehrerin, arbeitete dann, bevor sie heiratete, in einer Werbeagentur.

1923 führte sie in ihrem Erstling „Ein Toter zu wenig“ die Figur eines immer eleganten, finanziell unabhängigen und zudem sehr scharfsinnigen Adeligen ein. Lord Peter Wimsey ist ein in seinen Eigenarten fast skurril zu nennender wohlerzogener und altmodischer Amateurdetektiv und Nobelschnüffler, der aus moralischen Motiven Verbrechen aufklärt, indem er seine Nase in alle möglichen Verbrechen und Mordangelegenheiten steckt. Dabei agiert er stets exzentrisch, versnobt und gleichzeitig souverän.

Sayers` gesamte Kriminalromane spielen in einer heute eher fremden „antiquierten“ Welt, in der sie ihre Protagonisten in ihrer einzigartigen ironisierenden Sprachkunst, mit ihrem geschliffenen Witz und ihrem bestechenden Sprachstil agieren lässt, sodass man nahezu vergisst, dass es in ihnen eigentlich „nur“ um Mord und Totschlag geht. Dadurch aber gelang es ihr „Krimis“ aus den Untiefen der Trivialliteratur in die Literatur zu hieven.

Von Kriminalromanen zu Kriminalliteratur.

Ein großer Reiz ihrer Kriminalromane liegt in perfekten Handhabung des „Wie?“, ohne dabei bei der Auflösung des Falles das „Wer?“ und „Warum?“ zu vernachlässigen und einem von ihr mit sprachlicher Noblesse beschriebenen vergangenen Ambiente, in das man sich behaglich und zugleich voller Spannung niederlässt und dabei eine längst vergangene Zeit vor Augen hat.

Dorothy Sayers starb 1957 und ist mit ihren über 20 Kriminalromanen völlig zu Recht in die Literaturgeschichte eingegangen.