Freiberuflichkeit: Wieviel verdienen, um davon leben zu können?

Freiberuflich tätig zu sein ist aus den unterschiedlichsten Gründen ein Traum vieler Menschen. Zu positiv darf man sich eine solche Tätigkeit dennoch nicht vorstellen. Wie überall gibt es, was die Arbeitszeit und das Einkommen angeht, auch bei einer Freiberuflichkeit große Unterschiede. Bei welchem Stundenlohn lohnt sie sich nun? Pauschal ist diese Frage natürlich nicht zu beantworten, denn sie hängt von verschiedenen Faktoren ab, z. B., ob man alleinstehend ist oder eine Familie hat, ob man in einer teuren Stadt oder günstiger auf dem Land lebt usw.

Von welchem Einkommen kann man „leben“?

Mit Blick auf den Mindestlohn für Arbeitnehmer in Höhe von derzeit 8.84 € kann man sich der Thematik jedoch annähern. Wenn man diesen Betrag auf eine 40-Stunden-Woche hochrechnet, kommt man auf ein Monats-Netto-Einkommen von gut 1.000 €. Das Problem dabei ist nur, dass ein Freiberufler kein Netto-, sondern ein Brutto-Einkommen hat. Das bedeutet, dass das Geld, welches auf seinem Geschäftskonto eingeht, nicht das ist, was er letztlich zur Verfügung hat.

Zusätzliche Ausgaben für Freiberufler sind unter anderem:

  • Einkommensteuer
  • Beiträge
  • Krankenversicherung (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil)
  • Altersvorsorge
  • Weitere Versicherungen
  • Betriebliche Kosten wie Miete, Technik etc.

Nicht vergessen darf man außerdem, dass von den Geldeingängen auf dem Konto auch noch die Mehrwertsteuer abgeführt werden muss.

Insgesamt gehen etwa 40-50 % für verschiedene Kosten, Ausgaben und Abgaben bei einer Freiberuflichkeit ab, bevor man von einem Netto-Einkommen sprechen kann. Aus diesem Grund muss man den Mindestlohn mindestens auf gut 17 € verdoppeln.

Welche Faktoren kommen noch hinzu?

Leider man von dieser Zahl in einer Freiberuflichkeit noch immer nicht ausgehen, wenn man Aufträge kalkuliert, da man keine 100 % seiner Zeit abrechnen kann. Gerade Freiberufler, die beispielsweise an Kundenprojekten arbeiten, müssen diesen Stundenlohn meist noch verdoppeln.

Dabei fehlt noch die Notwendigkeit, Geld für schlechte Zeiten, die Altersvorsorge oder längere Krankheitsphasen zurücklegen zu müssen. Diese Summe muss ebenfalls noch dazugerechnet werden.

Es gibt also einige wichtige Faktoren, die bei der Kalkulation des eigenen Stundenlohns eingerechnet werden müssen, wobei dieser dann aber auch auf dem Markt durchgesetzt werden muss.

Es braucht Zeit Kunden zu generieren.

Gerade am Anfang einer Freiberuflichkeit sind die realen Stundenlöhne meist sehr niedrig. Zum einen liegt das an der noch nicht so guten Auftragslage. Zum anderen geht man oft erst einmal mit niedrigen Stundensätzen in den Markt, um Kunden zu gewinnen. Das ist üblich und häufig auch nahezu unvermeidlich. Anfangs wird man viel Arbeit investieren müssen und nur wenig verdienen, denn es braucht Zeit, um gute Kunden-Kontakte aufzubauen.

Deshalb sollte man in den ersten Jahren einer Freiberuflichkeit die Thematik Stundenlohn differenziert betrachten. Allerdings sollte man einen niedrigen realen Stundenlohn keinesfalls zu einem ewig währenden Dauerzustand werden lassen.

Fazit:

Eine Freiberuflichkeit sollte perspektivisch immer das Potenzial haben, gut davon leben zu können, denn wer als Freiberufler alles selbst macht, ein entsprechend hohes Risiko trägt und oft mehr Stunden arbeitet als viele Angestellte, sollte auf Dauer nicht zu den Niedrigverdienern gehören. Daher sollte man sich den Schritt in eine Freiberuflichkeit genau überlegen und realistisch das Zukunftspotenzial seiner Arbeit einzuschätzen versuchen.

http://www.selbstaendig-im-netz.de/2014/03/11/selbstaendig/fuer-welchen-stundenlohn-lohnt-sich-die-selbstaendigkeit/