Online-Einkaufen: Schnell, bequem, praktisch, aber nicht immer überzeugend.

Ich gestehe, ich bin keine begeisterte in die Stadt Geherin, schon gar nicht zum Einkaufen von Kleidung oder Schuhen. Das ist für viele Menschen sicher nicht nachvollziehbar, denn Düsseldorf gilt als eine Art Einkaufsparadies. Das nicht nur auf der „Kö“, sondern auch bezüglich der Vielfalt all der ansässigen Geschäfte. Demzufolge müsste ich ja DIE Kandidatin fürs Einkaufen im Internet sein. Das bin ich aber nicht wirklich. Warum?

Der Online-Handel wächst immer weiter und schneller.

Vor kurzem habe ich gelesen (Internet World Business, Ausgabe 1/17), dass der Online-Discounter/Modehändler Lesara seit Jahren zu den am schnellsten wachsenden Start-Ups Europas gehört und einen annualisierten Umsatz (Run Rate) von über 100 Mio. Euro für das Jahr 2016 angibt. Das entspricht einem Umsatzplus von 175 %.

Die Gründungsidee hinter Lesara lautet, einen Fast Fashion Retailer aufzuziehen und dafür alle Gegebenheiten der Digitalisierung gänzlich ausnutzen. Demzufolge ist die aktuelle Modewelt genau analysiert, Trends sind ausgemacht, eigene, preisgünstige Produkte sind umgehend entwickelt. Dabei wird auf ein Datenanalyse-Tool zurückgegriffen, das man für sich arbeiten lässt. Also werden von Google Trends bis Instagram alle verfügbaren Online-Kanäle nach Modedaten durchsucht, um zu sehen, welche Materialien, Farben oder auch Schnitte gerade angesagt sind. Die Produktion der Modelle erfolgt in Höchstgeschwindigkeit in Fernost. H & M benötigt dafür jedoch etwa 2 Monate, Lesara jedoch nur etwa 10 Tage, um eine neue Kollektion herauszubringen.

Produziert werden laut Datenanalyse nur Bestseller, die dann umgehend in Höchstgeschwindigkeit nachproduziert werden. Ladenhüter gehen umgehend aus dem Sortiment. Das ist Einkaufen in modernen Zeiten. Der Plan für dieses Jahr lautet: Dieses rasante Tempo beibehalten und dazu noch verstärkt Mobile First.

Für wen ist E-Commerce am attraktivsten?

Die Zahlen beweisen ja ganz offensichtlich, auf welcher Erfolgsspur sich Lesara wie auch andere Online Shops befinden. Ich möchte auf meinem iPhone allerdings keine Kleidungsstücke bestellen, die rasend schnell, billig und in Massen produziert werden. Ich will gar nicht alte Zeiten heraufbeschwören, in denen die Schneiderin meiner Großmutter mit größter Sorgfalt, Hingabe und Liebe wunderschöne Kleider für meine Schwester und mich angefertigt hat, aber zwischen Maßanfertigung und günstiger Massenware liegen für mich doch Welten.

Der stationäre Handel ist in Bedrängnis.

Globalisierung wie Digitalisierung werden riesige Veränderungen bewirken, wobei unzählige Arbeitsplätze verloren gehen werden. Die künstliche Intelligenz schreitet mit Riesenschritten voran. Das Einkaufen im Internet wird zunehmend stationäre Geschäfte verdrängen. Mir ist vollkommen klar, dass auch bekannte, renommierte, auch teure Label in Fernost produzieren und dass dies sehr häufig absolut kritikwürdig ist. Darum geht es mir heute aber nicht.

Wobei hakt es im Online-Handel am ehesten?

In jedem Fall bezuge ich qualitativ hochwertige Mode, die kombinierbar und langlebiger sein sollte. Demzufolge erwarte ich perfekten Sitz und keine Massenstückzahlen. Für mich muss es auch nicht immer die neueste Mode, der neueste Trend (der übrigens immer schon mal da war!) beim Einkaufen sein. Außerdem möchte ich Farbe, Stoffqualität, die Verarbeitung genau sehen und auch fühlen können, um meine Wahl zu treffen. Unterschiedliche Marken fallen verschieden aus. Ich weiß zwar, dass die Ballerinas meiner bevorzugten Marke in meiner Größe perfekt passen, aber schon bei einem anderen Produzenten ist das häufig anders.

Ich möchte Kleidungsstücke auch anprobieren können, ob sie mir, so schön sie sein mögen, überhaupt stehen. Bei einem Geschäft meiner Wahl kann ich das und brauche daher nicht passende Kleidung –wie beim Online Shoppen- umzutauschen. Denn allein durch eine andere Materialmischung können Hosen oder Blusen einer Marke durchaus nicht mehr optimal sitzen. Da lobe ich mir mein kleines, aber feines Lädchen, das sich noch nicht einmal in Düsseldorf befindet und das mir immer wieder ein Einkaufserlebnis der besonderen Art, Inspiration, Austausch, das Besondere beschert Und das in einem wunderbaren Wohlfühl-Ambiente.  Eben das ist es, was stationäre Händler leisten können!

Individuelle Beratung ist mir wichtig, wie beispielsweise die persönliche Begrüßung in meinem Lieblingsgeschäft. Alle Kunden bekommen grundsätzlich einen Espresso und Wasser oder ähnliches angeboten, werden danach fachkundig und vor allem ehrlich beraten. Dabei kann ich mir Zeit lassen, habe verschiedene Spiegel zur Auswahl. Jede Kundin kann mit einem Kleidungsstück vor die Tür gehen. Oft stellt sie dann fest, dass die Farbe doch anders ausschaut als im künstlichem Licht und last but not least: Kunden wird auch schon mal gesagt: Nein, das ist nichts für sie!

E-Commerce kann wunderbar funktionieren, stationärer Handel aber ebenso!

Das alles bedeutet nicht, dass ich das Online-Shoppen grundsätzlich ablehne, denn es funktioniert ganz wunderbar, wenn man weiß, was man will. Ich bestelle durchaus schon Schuhe online, von denen ich weiß, dass sie passen werden oder auch Lektüre für mein Kindle. Aber trotz meiner Abneigung dem Einkaufen in der Stadt gegenüber, genieße ich in ausgewählten Geschäften den persönlichen Service, das entsprechende Ambiente und eine entspannte kommunikative Zeit mit der Aussicht, keines von meinen erstandenen Kleidungsstücken wieder umtauschen zu müssen! Gibt es dann noch einen Online Shop oder einen Lieferservice dazu: Wunderbar!

Quelle: Internet World Business, Ausgabe 1/17